Viele Eltern stehen spätestens zu Beginn der Schwangerschaft vor der großen Frage: wie soll mein Kind heißen? Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, vor allem auch Vorurteile bei Vornamen.
Friseusen heißen immer Mandy. Und Elfriede ist bestimmt eine nette alte Frau. Das ist zwar ein Klischee, aber es sagt bereits viel über die soziale Wahrnehmung von Vornamen aus. Ohne den Menschen zu kennen, assoziieren wir automatisch bestimmte Eigenschaften oder soziale Aspekte mit einem Namen. Und so stutzen wir, wenn eine Frau René heißt oder ein Mann Maria. Weil wir diese Namen eben automatisch einem bestimmten Geschlecht zuordnen.

Forscher der TU Chemnitz haben dieses Phänomen in einer Studie untersucht. Ihnen ging es dabei um die Frage, welche Wahrnehmungen und damit auch welche Vorurteile bei Vornamen bestehen. So fanden sie heraus, dass Vornamen auch dem Wandel der Zeit unterliegen. Weibliche Vornamen wie Anna oder Jana wurden von den befragten Probanden als zeitlos eingestuft, männliche Vornamen wie Olaf oder Peter dagegen als altmodisch. Vor 30 Jahren noch waren dies beliebte und oft vergebene Namen.
Vorurteile bei Vornamen können für den Betreffenden auch negative Folgen haben: Laut einem Interview von Spiegel online mit der Wissenschaftlerin Astrid Kaiser sind auch Lehrer nicht vorurteilsfrei. So haben es Kevin, Chantal, Marvin oder Justin in der Schule oft schwerer als Alexander oder Maximilian. Auch wenn Kevin schlauer ist als Alexander, sein Name impliziert häufig mangelnde Intelligenz.
Völlig verrückt wird es aber dann, wenn Eltern ihrem Kind einen ganz „besonderen“ Vornamen geben möchten. Dem Ego und der Fantasie der Erwachsenen sind dabei keine Grenzen gesetzt: Merle oder Jesus sind da noch harmlos. Manche geben ihrem Kind gleich den Namen ihrer Lieblingsbrause. Welche Blüten die Namensgebung treiben kann, davon können sie sich hier gern selbst überzeugen.
Eltern sollten sich also genau überlegen, welchen Vornamen sie ihrem Kind geben. Man sollte sich auch den Rat der Familie einholen. Und man sollte immer bedenken, dass dieser Name ein Leben lang auch Vorurteile hervorrufen kann. Lassen sie sich bei der Suche Zeit, prüfen sie die eigenen Vorurteile der gewählten Namen und entscheiden sie weise. Ihr Kind wird es ihnen danken!
März 8th, 2010 um 17:25
Hi,
wirklich ein netter Artikel!
Namensgebung ist wirklich eine Geschichte für sich! Man muss abwägen zwischen alltäglich & einzigartig, zwischen modern & altbacken. Aber eigentlich verbindet doch jeder Mensch mit bestimmten Namen etwas anderes. Die Namen guter Freunde sind doch sympatischer als die Namen der größten Feinde.
Das ganze ist wirklich nicht so einfach
Mai 19th, 2010 um 14:36
Ich selber merke das mit den Vorurteilen bei Vornamen selber am eigenen Leib. Da in Ostdeutschland sehr gerne auch italienisch klingende Vornamen vergeben werden, nimmt man nun pauschal an, dass auch ich als gebürtige Italienerin eine Ostdeutsche wäre… nicht dass das schlimm wäre, aber so ein Schubladendenken regt mich mordsmäßig auf!